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Raumakustik – Live End Dead End erklärt

Egal, ob es sich um einen heimischen HiFi-Raum oder ein professionelles Tonstudio handelt; das Ziel ist immer eine möglichst neutrale Abhörumgebung, damit das, was auf die Ohren trifft, möglichst viel mit der Signalquelle gemein hat. Aber wie erreicht man diese neutrale Wiedergabe?

Dass der Lautsprecher selbst dabei eine entscheidende Rolle spielt, leuchtet ein, hier wird also gerne und großzügig in die Tasche gegriffen. Was jedoch häufig missachtet wird, ist die Tatsache, dass die Raumakustik einen mindestens ebenso großen Einfluss auf den Sound hat! Anders ausgedrückt: In schlechter Akustik hat auch der beste Lautsprecher keine Chance! Aufstellung, Raumsymmetrie, Erstreflexionen, Nachhallzeiten, Frequenzgang, etc. haben einen elementaren und häufig stark unterschätzten Einfluss auf das Hörerlebnis. Neueinsteiger in das Thema Raumakustik tun sich meist schwer, diese Einflüsse richtig einzuschätzen, denn eine schlechte Raumakustik hat in den seltensten Fällen etwas mit wahrnehmbaren Hallfahnen zu tun. Glücklicherweise gibt es einen einfachen Weg zur wohlklingenden Raumakustik in Stereo, der sich schon in tausenden Räumen bewährt hat: Live End Dead End, kurz LEDE. Hier erfährst du, wie LEDE funktioniert und wie du das Akustikkonzept auf deinen eigenen Raum übertragen kannst.

Vorne Absorber, hinten Diffusoren?

Das LEDE-Prinzip ist simpel: Die vordere Hälfte des Raums wird „(Schall-)tot“ gestaltet, die hintere „lebendig“ gehalten. „Tot“, so nennt man einen Raum, der den Schall breitbandig absorbiert. „Lebendig“ ist das genaue Gegenteil: Ein Raum, der mit schallharten Flächen ausgestattet ist und damit vielfältige akustische Reaktionen auf ein Schallereignis zeigt. Beim Einrichten eines Hörraums oder Studios wird also die Seite, auf der die Lautsprecher stehen, mit Schallabsorbern versehen, um die Reflexionen zu minimieren. Die gegenüberliegende Seite (im Rücken der hörenden Person) wird eher mit schallharten Flächen ausgestattet, die den Schall in unterschiedliche Richtungen verteilen sollen – man spricht hierbei von Diffusion.

Nach LEDE eingerichteter Regieraum

Raumakustik im Studio

Inwiefern profitiert die Raumakustik vom LEDE-Prinzip? Betrachten wir mal die Zielsetzung unseres Vorhabens: Wir möchten möglichst genau das Hören, was unsere Lautsprecher von sich geben. Nicht mehr und nicht weniger. Wäre das naheliegendste dann nicht eine komplett schalltote Raumakustik? Ja und nein. Der Hörsinn stellt ein wichtiges Orientierungswerkzeug für den menschlichen Organismus dar und die Abwesenheit akustischer Reflexionen hat eine entsprechend unangenehme und desorientierende Wirkung. Außerdem möchte man eine gewisse Vergleichbarkeit sicherstellen und da der Rest der Welt auch nicht im schalltoten Raum sitzt, ist der komplett absorptive Ansatz wenig zielführend (und wäre dazu auch noch sehr aufwendig zu realisieren). Eine akustische Beteiligung „von hinten“ ist aber auch erwünscht, um ein stärkeres Gefühl der Umhüllung zu ermöglichen. Wird Musik live gehört, spielen schließlich auch Reflexionen hinter uns eine gewisse Rolle. Dies wird beim Stereo-Hören über Lautsprecher durch ein möglichst neutrales (also „diffuses“) Reflexionsmuster im Live End erreicht. Es geht also nicht darum, den Einfluss der Raumakustik komplett zu eliminieren, sondern nur den Direktschall aus den Lautsprechern möglichst wenig zu beeinflussen und damit eine möglichst angenehme und ausgewogene Hörumgebung zu schaffen.

Der größte Feind eines unverfälschten Direktsignals sind nahe reflektierende Flächen. Durch sie trifft der Schall aus dem Lautsprecher nicht nur auf direktem Wege auf unsere Ohren, sondern nimmt zusätzlich einen Umweg über die Reflexionsfläche, z. B. über die Tischplatte, den Boden, die Zimmerdecke oder nahe Wände. Die Überlagerungen zweier (nahezu) identischer, zeitverzögerter Schallwellen führt stets zu Einbrüchen im Frequenzgang und zu einer starken Klangverfremdung, dem sogenannten Kammfiltereffekt. Nahe Reflexionen erzeugen also keinen schönen Nachhall wie man ihn etwa aus Konzerthäusern und Kirchen kennt, sondern eine oft heftige Verfärbung des Direktsignals. Engineers und Musiker*innen kennen den Kammfiltereffekt übrigens auch von Effektgeräten wie dem Phaser oder Flanger, wo er zur kreativen Klanggestaltung eingesetzt wird.

Die Verfremdung ist umso heftiger, je ähnlicher der Pegel und Frequenzgang der zwei zeitversetzten Signale und je kürzer die Verzögerung ausfällt. Je näher sich die Reflexionsfläche befindet, desto schlimmer sind also grundsätzlich die Auswirkungen auf den Direktschall. Die sogenannten Erstreflexionen in Nähe der Lautsprecher und der Hörposition sollten also nach Möglichkeit absorbiert werden.

Der Kammfiltereffekt sorgt für periodische Einbrüche im Frequenzgang
Die Überlagerung von Direktschall und Reflexion sorgt für periodische Einbrüche im Frequenzgang

Der Kammfiltereffekt ist aber nicht das einzige Problem, das durch nahe Reflexionsflächen verursacht wird. Neben dem negativen Einfluss auf den Frequenzgang leidet z. B. auch die Stereolokalisation und die Tiefenstaffelung der Musikwiedergabe. Das Erfolgsrezept LEDE basiert also darauf, einen möglichst großen Zeitabstand zwischen Direktschall und Reflexion zu erreichen.

Der hintere Teil des Raums, der den größeren Abstand zu den Lautsprechern hat, darf dagegen ruhig ein wenig stärker reflektieren, denn der Direktschall hat in den meisten Räumen längst den Weg zum Ohr gefunden, bevor von hinten schwierige Verfärbungen zu erwarten sind. Jedoch möchte man auch hier nackte Wände und ähnliche schallharte Großflächen vermeiden, um unangenehmen Flatterechos aus dem Weg zu gehen. Die Lösung: Diffusoren! Oder anders ausgedrückt: Akustisch perfektioniertes Chaos, das den Schall in alle Richtungen verteilt. 

Diffusoren reflektieren eintreffenden Schall in viele verschiedene Richtungen

Einrichten gemäß Live End Dead End

Wie richte ich meinen Raum nach dem LEDE-Prinzip ein? Zunächst solltest du versuchen, die Lautsprecher und den Arbeitsplatz in Bezug auf die Raumsymmetrie optimal zu platzieren. Das heißt: Möglichst achsensymmetrisch mit ausreichend Abstand zu den Raumecken. Ob die Hörposition (der sog. „Sweet Spot“) sich im Live End oder im Dead End befindet, kommt vor allem auf die Größe des Raums an. Gemäß der ursprünglichen Anwendung in den 1970er-Jahren befindet sich der „Sweet Spot“ eher im Live End, heutzutage wird aber meistens im Dead End Platz genommen. Das hat unter anderem mit Ästhetik und Hörgewohnheiten, aber vor allem mit der Raumgröße zu tun. Wer keinen großen Raum hat, sollte tendenziell lieber ebenfalls im Dead End sitzen, um den Einfluss seitlicher Reflexionen zu minimieren.

Jetzt geht es darum, die Raumakustik im Dead End hinter den Lautsprechern „zu töten“. Dafür werden Absorber gebraucht. Also akustisch spezialisierte, poröse Materialien, die die Schallenergie in der Luft in Bewegungs- und Wärmenergie verwandeln. Vergesse aber lieber gleich die alten Eierkartons und den billigen Noppenschaum. Das eine ist wirkungslos, das andere kontraproduktiv. Das Entscheidende ist nämlich nicht nur, dass Schallenergie absorbiert wird, sondern vor allem eine möglichst lineare Absorption in einem passenden Frequenzbereich. Leider absorbieren die meisten Materialien unterschiedliche Frequenzbereiche aber sehr ungleichmäßig. Manche Frequenzen werden also absorbiert, während andere unbeeinflusst bleiben. Greift man hier zum falschen Produkt, resultiert das in der Regel in völlig überdämpften Höhen und einem unkontrollierten Mitten- und Bassbereich! Eine gute Wirksamkeit in den relevanten Frequenzbereichen erreicht man mit professionellen Absorbern ab ca. 8-10 cm Dicke wie dem HOFA Absorber. Werden die Absorber mit etwas Abstand zur Wand/Decke montiert, können sie sogar noch etwas dünner sein. So erreichen HOFA Deckensegel mit etwas Abstand zur Decke ihren hohen Wirkungsgrad bis in die Tiefmitten.

Übrigens: Vorsicht ist geboten, was Möbel und Equipment im Dead End betrifft. Nicht nur Wände und Decke können den Direktschall beeinflussen, sondern auch Tische, Bildschirme, Mischpulte, etc. Im besten Fall werden diese Reflexionen also ebenfalls bedacht und nach Möglichkeit minimiert.

Optimal gegen unerwünschte Reflexionen: HOFA Absorber & HOFA Deckensegel


Die größte Aufmerksamkeit in der Raumakustik wird aber fast immer dem Bassbereich zugerechnet. Dies liegt daran, dass für tiefe Frequenzen hoher Wellenlänge generell mehr Absorptionsvolumen benötigt wird und die meisten Räume darüber hinaus in den Bässen unangenehme Resonanzen aufweisen. Für die akustische Kontrolle im Bassbereich werden spezialisierte Absorber benötigt: die Basstraps! Diese besitzen ein eher großes Volumen und werden aus Materialien gefertigt, die in den Tiefen eine besonders hohe Wirksamkeit aufweisen.

Besonders relevant für die Bass-Absorption sind die Raumecken. An Grenzflächen ist die Wirksamkeit eines Absorbers nämlich am höchsten und Raumecken weisen gleich 2-3 solcher Grenzflächen auf! Also: Basstraps in die Ecken! Und zwar je mehr, desto besser. Man kann schon mit ca. 2-3 Basstraps an den richtigen Stellen einen positiven Effekt erhalten, möchte man die Bässe aber voll unter Kontrolle bringen, wird meist etwas mehr Material benötigt. Den individuellen Bedarf an Absorbern, Diffusoren und Basstraps kann man durch eine Raumakustikplanung ermitteln.

In der Regel werden Basstraps in Türmen gestapelt, um den Wirkungsgrad in der Raumecke optimal auszunutzen. Häufig ist es sinnvoll, nicht nur die vorderen, sondern auch die hinteren Ecken (im Live End) mit Basstraps auszustatten.

Stark gegen Bass: HOFA Basstraps


Nun zum Live End: Hier ist Diffusion gefragt! Die Rückwand (also im Rücken der Hörposition) darf ruhig großflächig mit Diffusoren bestückt werden. Bei größerem Abstand zur Hörposition kann ein großer 1D-Diffusor helfen, für die allermeisten Räume sind jedoch 2D-Diffusoren zielführender. Diese können auch punktsymmetrisch als QRD-Anordnung ausgeführt sein, was nicht nur die zugrundeliegende Mathematik begünstigt, sondern auch im akustischen „Chaos“ die Symmetrie im Raum bewahrt.

Symmetrisches, akustisches Chaos: Der HOFA Diffusor in QRD-Anordnung


Übrigens: Auch wenn das LEDE-Konzept primär für Regie- und Hörräume gedacht ist, kann es auch in Aufnahmesituationen nützlich sein: Sprachaufnahmen lassen sich zum Beispiel im trockenen Dead End besser realisieren, akustische Saiteninstrumente profitieren eher von der lebendigen Akustik des Live Ends. Wird ein modulares System wie der HOFA Wechselrahmen verwendet, kann die Raumakustik sogar jederzeit flexibel an die momentane Nutzung angepasst werden.

Durch die Anwendung einfacher Grundlagen wie dem LEDE-Prinzip lässt sich dein Raum mit Absorbern, Diffusoren und Basstraps an den richtigen Stellen erheblich verbessern. Und falls du einmal ein komplexeres Akustikkonzept benötigst, stehen dir unsere HOFA Akustik-Profis gerne zur Seite und planen deinen Raum individuell nach deinen Ansprüchen und Anforderungen.

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